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25. Januar 2016

Das Projekt InTherAKT

Die Medikation älterer Menschen ist eine besondere Herausforderung, denn diese haben häufig gleichzeitig mehrere Erkrankungen. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Depressionen und Inkontinenz sind bei den über 80-Jährigen verbreitet. Generell steigt bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer Medikamente das Risiko für mögliche unerwünschte Arzneimitteleffekte. Zudem wird gerade bei sehr alten Menschen aufgrund eines veränderten Stoffwechsels nicht selten eine andere Wirkung von Arzneimitteln beobachtet.

Gerade die Bewohner von Altenheimen sind diesbezüglich gefährdet. Denn neben dem reinen Altersrisiko hat diese Klientel oft körperliche und / oder geistige Einschränkungen. Auch deshalb muss die Arzneimittelüberwachung in solchen Heimen besonders sorgfältig durchgeführt werden. Hierbei handelt es sich um eine komplexe Herausforderung und die Abstimmung zwischen Arzt, Apotheker und Pflegepersonal ist teilweise optimierbar.

Genau hier setzt InTherAKT an. Oberstes Ziel des innovativen Versorgungsforschungsprojektes ist es, die Arzneimitteltherapiesicherheit in Altenheimen zu verbessern. Dafür gibt es verschiedene Ansatzpunkte:

  • Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den drei beteiligten Berufsgruppen
  • Schulungen der beteiligten Berufsgruppen zur Arzneimitteltherapiesicherheit
  • Strukturierte Dokumentation der Medikamentenverordnungen nach Vorgaben des bundeseinheitlichen Medikationsplanes
  • Überprüfung der Medikation der Altenheimbewohner

 

InTherAKT wird sich nicht mit der Dokumentation eines Ist-Zustandes begnügen. Vielmehr soll in einer Interventionsphase die Medikation der Heimbewohner gezielt verbessert werden. Im Projektverlauf werden deshalb alle Berufsgruppen zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit geschult und nachfolgend werden über eine strukturierte Kommunikationsplattform Medikationsprüfungen durchgeführt.  Im Beobachtungszeitraum werden anschließend alle relevanten Symptome der Patienten erfasst. In anlassbezogenen Fallkonferenzen werden komplexe Fälle berufsgruppenübergreifend besprochen und im Bedarfsfall wird die Medikation entsprechend angepasst. Sämtliche Projektschritte und Ergebnisse werden intensiv evaluiert und dokumentiert. Am gesamten Prozess sind Hausärzte, Apotheker und Pflegende beteiligt.

Das innovative Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Zum einen werden Daten und Strategien zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit und Lebensqualität der Altenheim-Bewohner erarbeitet. Zum anderen soll durch die Verbesserung der interprofessionellen Kommunikation auch nachhaltig die Arbeitszufriedenheit der beteiligten Berufsgruppen spürbar beeinflusst werden. Beteiligt sind neben neun Altenheimen, vierzehn Hausärzten und elf heimversorgenden Apotheken diverse örtliche Einrichtungen und Verbände sowie bundesweit und international tätige Akteure aus dem Gesundheitswesen.

Organisiert wird InTherAKT von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Institut für Pflegewissenschaft und –praxis, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin. An der operativen Arbeit sind in erster Linie der Hausärzteverbund Münster, die Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie die beiden Arbeitsgemeinschaften der münsterschen Altenheime beteiligt. Weitere Partner sind unter anderem die Barmer GEK, Stadt und Bezirksregierung Münster sowie die Facharztinitiative Münster. Fördergeber sind die PMU, die Firma Grünenthal GmbH sowie das Land Salzburg.